Herzlich willkommen!

 
 
 

Klein, aber fein

 

Dies ist das Motto der H0-Modellbahn-Anlage Grenzwelt. Auf wenigen Quadratmetern spielt sich hier das pralle Sommerleben im August 1970 ab. Der Massstab 1:87 bietet Platz für Berge wie das Goishorn, für Dörfer wie Eidelhausen oder das Badeparadies Fliedersee. Auf dem Birkmühlenhof werden Pferde verwöhnt und in Goisenheim die Menschen. 

Die Grenzwelt verbindet zwei Kulturen: Die der Schweiz mit der Deutschlands. In Goisenheim treffen die Eisenbahnnetze aufeinander. So steigen die Zugreisenden aus der städtischen S-Bahn direkt um in die Zahnradbahn zur Gächlisalp. Von dort ist es nur ein Fussweg von fünf Minuten zur Goishornbahn, einer Seilbahn mit gelben, roten und blauen Kabinen. Dort, wo die Grenzwelt die Wolken berührt.

 

Die Grenzwelt in bewegten Bildern:

 

Grenzwelt, der erste Film: 

 

Grenzwelt, der zweite Film: Nur Originalgeräusche, bei Tag, Nacht und mit Musik aus der Goisenbar:

 

 

Erlebnisbericht eines 1:87-Lokführers im Grenzwelt-Alltag

Wie in einem Super-Acht-Film 

Helle Streifen tanzen im ganzen Raum. In regelmässigen Abständen gleiten sie über die farbigen Tapeten. Jedes Mal der Wechsel von dunkel und hell, von Licht und Schatten. Wie ein Super-Acht-Film ziehen sie vorbei. Seufzend stehe ich auf und ziehe die schweren Vorhänge zurück. Auch die schönen Momente haben ein Ende, denke ich und schlurfe in die Küche. Am Tisch steht bereits ein warme Tasse Tee auf dem Tisch. Wenigstens etwas. Mit abwesendem Blick blättere ich durch die heutige Zeitung. Die Schlagzeile des Tages lautet: «Gespenster-Alarm: Gestalt mit weissem Gewand auf Dach gesichtet!». Haben die nichts besseres zu berichten, denke ich müde. Wie immer lese ich nur das Kinoprogramm. Schmunzelnd betrachte ich das Filmplakat für den Film "Pippi in Takatuka-Land". Wie schön es nur wäre, einmal Pippi zu sein, denke ich.  

Als ich plötzlich an kaltem Tee nippe merke ich erst, wie spät es schon ist. Hastig ziehe ich mir ein frisches Hemd über und verlasse die Wohnung. Wie jeden Morgen gehe ich an dem verrosteten alten T1 an der Strassenecke vorbei. Eigentlich schade, ein solch schönes Auto so zu behandeln. Als ich das Bimmeln des Bahnübergangs höre, beginne ich zu rennen und schaffe es gerade noch rechtzeitig auf die Zahnradbahn zur Gächlisalp. Endlich im Zug betrachte ich die vorbeiziehende Landschaft und geniesse das Rattern des Zuges. Mein Blick schweift nach draussen, als ich plötzlich ein weisses Pferd mit einem rothaarigen Mädchen, welches auf seinem Rücken balanciert, entdecke. Wenn das mal nicht Pippi Langstrumpf ist, denke ich grinsend. Nach einer grossen Kurve um den wunderschön gepflegten Birkmühlenhof beginnt die atemberaubende Fahrt auf das Goishorn. Schon als Kind faszinierte mich die unglaubliche Steigung, die der Zug mithilfe eines Zahnradsystems erklimmen kann. Von dieser Höhe sieht man bis weit nach hinten ins Fliedertal, welches einst durch den Fliedergletscher entstand. Nur der Fliedersee erinnert heute noch an den Eisriesen. Eine eisige Bise kommt mir entgegen, als sich die Türen der Bahn öffnen. Kurzerhand ziehe ich den Reissverschluss bis zum Kinn und gehe zur Seilbahnstation 

Wie jeden Morgen geniesse ich vor der Arbeit eine Tasse Getreidekaffee im kleinen Café der Seilbahnstation. Noch hat es hier nur wenige Menschen. Aus Erfahrung weiss ich aber, wie voll es hier an sonnigen Tagen wie diesem sein kann. Nachdem ich den letzten Schluck des heissen Getränks genossen habe, ist es Zeit für meine erste Schicht. An der Bahnstation treffe ich bereits meinen Kollegen, welcher mir lächelnd den Schlüssel und das Fahrtenbüchlein übergibt. "Alles ruhig" meint er schmunzelnd und lässt mich alleine zurück. Mit geübten Bewegungen steige ich die schmale Leiter in den Führerstand empor. Als ich alles eingerichtet habe und der Zug bereit zum Losfahren ist, bin ich wieder einmal unglaublich froh, dass ich diesen Job machen darf.

Seit bereits fünf Jahren habe ich das Privileg diese wunderbaren Strecken zu befahren. Die Morgenschicht mag ich am liebsten. Wenn die Sonne über den Hügeln aufgeht und die Landschaft mit goldenem Licht überzieht. Als die Uhr 13:00 zeigt übergebe ich den Zug meinem Kollegen und geniesse einen Burger am Imbissstand am Fliedersee. Obwohl es heute noch leicht kühl ist, tummeln sich bereits unzählige Badegäste um das sandige Ufer.  

In der zweiten Schicht, darf ich die S-Bahn übernehmen. Schon seit meiner Kindheit haben mich diese blauen Wagen fasziniert. Deshalb bin ich umso stolzer, die 471er fahren zu dürfen. Mit einem lauten Knacken schliesse ich die Tür zum Führerstand und atme den vertrauten Geruch von lackiertem Holz, Metall und benutztem Bremsbelag ein. Als sich meine Finger um den kalten braunen Holzhebel schliessen und sich die Wagen langsam in Bewegung setzen, gilt meine volle Konzentration der Strecke vor mir. Vom Bahnhof Goisenheim leiten die Schienen den Zug in den grossen Tunnel des Goishorns. Als er aus der Dunkelheit rollt, und sich meine Augen an die Sonnenstrahlen gewöhnt haben, schweift mein Blick über die Stadt. Die Fahrt über die Brücke ist geprägt vom Spiel von Licht und Schatten, die ihren Weg durch die eisernen Streben suchen. Schliesslich bremse ich den Zug am Bahnhof Eidelhausen. Obwohl diese Station noch relativ nahe an der Stadt liegt, ist ihr Charakter doch ein ganz anderer. Die Luft ist gekennzeichnet vom Duft nach Heu und Wildblumen. Aus dem rötlichen Belag wachsen kleine Büschel von Löwenzahn. Als ich aus dem Führerstand steige und zum Gegenüberliegenden gehe, dringt das Geräusch von Holz, dass gehackt wird, an mein Ohr. 

Nach meiner letzten Fahrt für den heutigen Tag klettere ich müde, aber erfüllt von wunderbaren Bildern, die Stufen hinab. Vorbei an der Schlosserei mache ich mich auf den Heimweg und kaufe noch einige frische Äpfel beim Marktladen. Beim Abendessen senkt sich die Sonne bereits und taucht die sanften Hügel in oranges Licht. Ich beschliesse, noch ein kleines Bier in der Goisenbar zu nehmen. Dort herrscht bereits fröhliche Tanzstimmung, als ich auftauche. Die Musik und das Gelächter dröhnen schon von weitem durch die Strassen.  

Als mein Glas leer ist, trete ich auf die dunkle Strasse. Die Häuser erscheinen jetzt fast blau im Licht des Vollmondes. Beim Kino studiere ich die Zeiten der Vorführungen. Beim Weitergehen richtet sich mein Blick auf das Dach des Kinos. Mein Herz bleibt beinahe stehen, als ich eine weisse Gestalt entdecke. Beinahe denke ich, dass die Zeitung Recht hatte. Aber in diesem Moment schaltet sich zum Glück wieder mein Verstand ein und ich erkenne eine schlafwandelnde Frau in ihrem Nachthemd. Erleichtert setzte ich meinen Weg fort. Aus der Kristallgrotte blitzen einige kleine Lichtpunkte von Taschenlampen. Beim Schliessen des Schlafzimmerfensters atme ich noch ein letztes Mal die kühle Nachtluft ein. Mit dem Gedanken, ja nicht Schlafzuwandeln und einem Kopf voller Bilder, fallen meine Augen schliesslich zu.